Vergessene Deutsche in der Sowjetunion …

13.09.2015 Leitender Redakteur Zeit- und Kulturgeschichte schreibt heute in der „Die Welt“:

Olivenöl rettete die letzten 9626 Kriegsgefangenen

Im September 1955 wollte die Sowjetunion diplomatische Beziehungen mit der Bundesrepublik aufnehmen. Bundeskanzler Adenauer verlangte im Gegenzug die Heimkehr der letzten Deutschen aus dem Gulag.

http://www.welt.de/geschichte/article146320776/Olivenoel-rettete-die-letzten-9626-Kriegsgefangenen.html#disqus_thread


F.W.Seydlitz kommentiert:

es wurden längst nicht alle freigelassen. Viele blieben in den Schweigelagern. Einige wenige davon kamen dann Anfang der 1990-er frei

zuvor wurde Beitrag (s.u.) nicht veröffentlicht

Obwohl die Sowjets versprachen, die letzten Gefangenen frei zu geben, gab es laut Erkenntnissen der deutschen Botschaft in Moskau Anfang der 1990-er immer noch etwa 3.500 namentlich Bekannte. Darunter die als 14-jährige verschleppte Ursula Rossmeisel und der Scharfschütze Bruno Sutkus.
Sie wurden zwar nicht mehr in (Schweige-)Lagern zurück gehalten, aber in dem man ihnen einen Pass vor enthielt, durften sie ihren Wohnort nicht verlassen, konnten sie nicht mal mit Bus oder Bahn reisen.
Laut Auskunftsstelle (Deutsche Dienststelle) gelten immer noch 1,2 Mio Deutsche als vermisst.
Meines Wissens gelten auch mehrere Zehntausend Alliierte, von den Sowjets aus deutscher Gefangenschaft befreit, als im Osten verschollen. Geiseln im Kalten Krieg.

„Aber es gab auch rund tausend Männer unter ihnen, die durchaus zu Recht eingesperrt waren, weil sie tatsächlich Kriegsverbrechen begangen hatten.“
– mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion ergab sich für viele wegen angeblicher oder tatsächlicher Kriegsverbrechen Verurteilte die Möglichkeit, bei der russischen Hauptmilitärstaatsanwaltschaft die Rehabilitation zu beantragen. Diesen Anträgen wurde in fast allen Fällen entsprochen.
So wurde zum Beispiel das Jagdfliegerass „Bubi“ Hartmann, zu 25 Jahren verurteilt, weil er 5 sowjetische Geschwader zu Boden schickte, vollumfänglich rehabilitiert ZENSIERT von „Die Welt“

ein Leser eine Frage stelle ich mir seit etlichen Jahren, vielleicht wissen Sie eine Antwort. Woher wußte man deutscherseits wieviele Kriegsgefangene sich zu diesem Zeitpunkt noch lebend in der UdSSR befanden?

F.W.Seydlitz antwortet:

Bin zwar nicht Herr Kellerhoff, zu Ihrer Frage bezüglich des Austauschs von Angaben zu Kriegsgefangenen, kann ich vielleicht helfen.

Laut Genfer Konvention hatten die Kriegsgefangenen einen besonderen Status, der über eine Schutzmacht gerantiert war. Mit Staaten, die die Genfer Konvention vereinbarten, werden auch Daten über Kriegsgefangene ausgetauscht.
Die Sowjetunion hat die Genfer Konvention nicht eingehalten. Die Angaben über Kriegsgefangene aus der Sowjetunion basierten fast ausschließlich über Heimkehrer.
Nach der Kapitulation hat auch General Eisenhower den Deutschen Soldaten den Status von Kriegsgefangenen abgesprochen und sie als „Entwaffnete feindliche Kräfte“ kategorisiert. Das war ein eklatanter Verstoß gegen die Genfer Konvention. Folgenlos, da auch der Schutzmacht der Deutschen Gefangenen gekündigt wurde.
Wenn Sie Informationen über einen Angehörigen suchen, wenden Sie sich bitte an den Suchdienst des DRK oder wenn es sich um einen Soldaten handelt an die Deutsche Dienststelle (Wehrmachtsauskunftstelle) in Berlin. Sie können es auch versuchen, Auskünfte über den Volksbund zu bekommen.

Herr Kellerhoff fordert F.W.Seydlitz auf, konkrete Daten zu nennen. Das ist natürlich extrem schwer, da die Sowjetunion mauerte und alles abstritt. Bestest Beispiel Katyn.

Dennoch antwortet F.W.Seydlitz:

Werter Herr Kellerhoff, ich nannte bereits zwei Namen. Es handelte sich um Verschleppte bzw. ehem. Plenni (Kriegsgefangene), denen die Ausgabe eines Passes verweigert wurde, wodurch diese weder reisen, schon gar nicht auswandern konnten.
Zur Geschichte der Frau Rossmeisel gab es eine Abhandlung mit dem Titel „Das Mädchen Ursula“. Mit der Autorin stand ich seinerzeit im Kontakt, von dieser stammt auch die Zahl 3.500.
In der Sowjetunion war es bis Ende der 90-er praktisch unmöglich, ohne Inlandspass (Grashdanski Pasport) den Wohnort zu verlassen. Einen Reisepass (Zagran Pasport), der zum Verlassen des Landes berechtigte, hatten die Allerwenigsten.
Die Sowjetunion vermittelte ja nicht einmal Daten der von ihnen befreiten und weiter von ihnen internierten Alliierten Soldaten von daher ist es kein Wunder, dass über weitere Verschwundene in den Schweigelagern nichts bekannt ist.
Vielleicht ergeben sich ja noch die Möglichkeiten, an Dokumente heran zu kommen. Bis 2005 waren die Chancen dazu aber wesentlich besser, als heute.
Mit besten Grüßen wartet auf Veröffentlichung

zu Bruno Sutkus: https://en.wikipedia.org/wiki/Bruno_Sutkus

zu Ursula Rossmeisel: http://www.sz-online.de/nachrichten/staatenlos-im-fernen-osten-1191257.html

und auf die Frage nach konkreten Dokumenten:

Werter Herr Kellerhoff, Ihre Quellenlage ist wesentlich besser, als die meine als Hobby-Historiker. Meines Wissens war Sutkus Deutscher Staatsbürger auf Grund der Abtretung des Memelgebietes an das Deutsche Reich.
Natürlich hatte Frau Rossmeisel keinen Deutschen Pass, sie wurde ja aus Deutschland verschleppt. Keiner der Insassen von Workuta hatte einen Pass, kein Kriegsgefangener hatte sein Soldbuch – weil man allen alles abgenommen hatte. Die Autorin nannte mir in der e-Mail-Korrespondenz die Zahl 3.500 wartet auf Veröffentlichung

Nachsatz:

Werter Herr Kellerhoff, auf meinem Blog habe ich Quellen zu Sutkus und Rossmeisel als link hinterlegt.

Ich bin mir sicher, mit Frau Cornelia Riedel korrespondiert zu haben, finde aber grad die mails nicht.

Wir werden niemals die ganze Wahrheit über Verschollene und Verschleppte in der Sowjetunion erfahren. Zu sehr mauern die Kommunisten. Außer, es ist ein Geschäft zu machen, wie der „Stalingradexperte“ bei Guido Knopp, ein sowjetischer Staatsanwalt aus Wolgograd, der die Personalakten der in den Stalingrader Lagern verstorbenen Soldaten für 3.000 DM/Stck verkaufen wollte

Die deutschen Kriegsgefangenen und Zwangsverschleppten hatten gar keine persönlichen Dokumente mehr bei sich. In den Lagern kam es einem Todesurteil gleich, fand man bei einem „Plenni“ (Gefangenen) auch nur ein Foto der Mutter, einen Brief … Jetzt davon zu sprechen, es gibt keine Beweise, weil keine Dokumente – ist schäbig!

Beste Grüße ZENSIERT von „Die Welt“

14.09.2015 wie ich gerade sehe, wurde Herr Kellerhoff schnippisch und schloss die Diskussion. Was F.W.Seydlitz zuvor geschrieben hatte und was nicht veröffentlicht wurde, ist hier zu lesen. Auch, woher die Zahl 3.500 stammte.

Herr Kellerhoff macht es sich sehr einfach, er hat möglicherweise über die Zustände im kommunistischen Block nur Erkenntnisse aus Büchern. In der Sowjetunion war man ohne Papiere ein Nichts und wenn bekannt war, dass im Lager eingesessen, war man ständigen Drangsalierungen ausgesetzt. So gab und gibt es heute noch in der Sowjetunion/Russland ein sogenanntes Arbeitsbuch, in dem der vorherige Arbeitgeber alles eintragen konnte, was er für mitteilenswert hielt. Ohne Vorlage dieses Arbeitsbuches keine neue Anstellung. Die Behörden / Miliz konnten auch jederzeit den Inlands-Pass (vergleichbar mit unserem Personalausweis, nur mit 12 Seiten und vielen Vermerkmöglichkeiten viel umfangreicher) einbehalten

Viele der in den 1950-ern freigelassenen ehemaligen „Plennis“ oder Verschleppten wollten einfach ihre Ruhe haben, sie wussten auch nichts über die Entwicklung in ihrer ursprünglichen Heimat, es gab ja kein TV, kaum Radio und hatten neben einer gewissen typischen Altersdemenz auch ihren kleinen bescheidenen Frieden gefunden und wollten an den alten Geschichten nicht mehr rühren. Das ist aber noch lange kein Beweis dafür, dass ihnen unendliches Unrecht zugefügt wurde. Wenn man sich mit solchen Leuten in Russland unterhielt, musste man auf das achten, was sie nicht sagten und das war schon schlimm genug!

Nach der Wiedereröffnung der Kommentarfunktion schreib F.W.Seydlitz:

Werter Herr Kellerhoff, ich schätze Sie sehr, insbesondere, weil Sie einer der wenigen Autoren sind, die sich im Nachhinein der Diskussion stellen. Woher ich die Zahl 3.500 habe, habe ich deutlich geschrieben. Ausführlich finden Sie es nochmal auf meinem Blog. Nette Grüße wartet auf Veröffentlichung

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