Vor 74 Jahren – Beginn der Schlacht um Moskau

Am 2. Oktober 1941 fassten die deutschen Soldaten ihre Gewehre fester, schnallten die Kinnriemen ihrer Stahlhelme enger, stellten sich in den Sturmausgangsstellungen und Bereitstellungsräumen bereit, starteten die Panzer- und Flugzeugmotoren … es ging, so glaubten sie, um eine letzte Kraftanstrengung, dem in den furchtbaren Sommerschlachten als vernichtet geglaubten Gegner den Todesstoß zu versetzen.

14 Wochen zuvor, in den Morgenstunden des 22. Juni, stießen sie in ein Wespennest – die angriffsbereite Rote Armee mit 7x mehr Panzern, davon schwerste Typen, denen kein deutscher Panzer gewachsen war, 9x mehr Flugzeuge und 3x mehr (zählt man die Reserven mit, dann sogar 5x mehr) Soldaten, die nur ein Ziel hatten: die kommunistische Revolution in Lenin/Stalins Namen bis an den Atlantik zu tragen. Dicht gedrängt standen sie an der deutsch-sowjetischen Demarkationslinie, die Panzer der 2. Staffel auf Eisenbahnwaggons, die Infanterie ohne Gräben, ohne Sperren, Minen oder ähnliche Hindernisse, die Flugzeuge Flügel an Flügel bis nur 10km hinter der Front. Tausende von Eisenbahnwaggons mit Munition, Treibstoff und Landkarten von Deutschland bis Frankreich in unmittelbarer Reichweite deutscher Stukas.

1.000 km war man schon marschiert, durch Hitze und Staub, hatte gekämpft gegen einen äußerst brutalen, hinterlistigen und heimtückischen Gegner, der sich an keine Genfer Konvention, keine Haager Landkriegsordnung hielt. Tausende Kameraden hat man schon gefunden, in Feindeshand gefallen und auf das Grausamste massakriert von oder im Auftrage kommunistischer Bestien, Kommissare genannt. 2,5 Mio gegnerische Soldaten hatte man schon gefangen, etwa genau so viele Rotarmisten lagen tot auf den Schlachtfeldern. Zehntausende von roten Kampfpanzern und Flugzeugen waren abgeschossen und verglühten als Wracks. Undenkbar, dass der Gegner nach solchen Verlusten noch über Reserven verfügen sollte.

Doch er hatte sie und der Vorstoß geriet kurz vor Moskau – die stolzen Grenadiere der zusammengeschmolzenen SS-Division „Reich“ – Sieger der 2. Schlacht von Borodino* – standen schon hinter Istra – einem Vorort von Moskau … zum Fiasko in Schnee, Eis und sibirischem Wutgeheul.

Was niemand auf der Welt sonst wusste, die Sowjetunion, seit den Parteitagsbeschlüssen von 1928 massivst aufgerüstet, die gesamte Volkswirtschaft auf Krieg umgestellt, alle Männer und Frauen, sogar Kinder in den Krieg eingebunden, entweder als Soldat oder als Arbeitssklave mit 12 Stundentag an 7 Arbeitstagen die Woche, hat sie ein militärisches Potential geschaffen, was nicht nur die Verluste der für den Angriff auf Europa bereitgestellten Roten Armee mit 25.500 teils schwersten Panzern (zu 3.300 Deutschen, zumeist leichte Typen), 18.700 Flugzeugen (zu 2.000 Deutschen) und fast 6 Mio Mann Soldaten (zu 2,5 Mio Deutschen)* wettmachte, sondern auch in der Lage war, Millionen von Rotarmisten neu zu bewaffnen und sogar Reserven aufzustellen.

*nach Musial

Der Militärisch-Industrielle-Komplex zum größten Teil hinter dem Ural ab 1936 u.a. mit Devisen aus Holzverkäufen – geschlagen von Arbeitssklaven in den GULAG’s und Getreideverkäufen, weswegen Millionen Ukrainer verhungern mussten, errichtet, begann Panzer um Panzer, Geschütz um Geschütz und Flugzeug um Flugzeug auszustoßen …


Die für mich persönlich packendste Schilderung:

„Unternehmen Barbarossa“ von Paul Carell

*nach Carell: 14. Oktober 1941: SS-Division „Reich“ erreicht Borodino, 100 Kilometer vor Moskau. Eine Eliteeinheit, die 32. SD aus Sibirien verteidigt auf den Höhen von Borodino in stark befestigten Erdstellungen den Zugang nach Moskau. Sie besteht aus drei Schützen-Regimentern, eingegrabenen T-34 und KW-2-Panzern. Sie begegnet der SS-D „Reich“, der Brigade Hauenschild/10. PD, Panzer-Regiment 7 und dem Kradschützen-Bataillon 10.
Der Waffengang bei Borodino wird zu einem schrecklichen Kampf. Die Rote Armee setzt Katjuscha-Raketenwerfer mit verheerender Splitterwirkung ein, Deutsche Grenadiere bekämpfen T-34 Panzer mit geballten Ladungen. Mehrfach steht die Schlacht auf Messers Schneide. Die blutigen Verluste der SS-D „Reich“ sind erschreckend hoch. Deren drittes Regiment, SS-IR-11, muss aufgelöst werden, die übrigen Männer werden auf SS-Regiment „Deutschland“ (Friedensstandort München) und SS-Regiment „Der Führer“ (Friedensstandort Wien) aufgeteilt. Artilleriekommandeur 128 ist Oberst Weidling (1945 Kampfkommandant von Berlin). Grenadiere der Waffen-SS schießen ein Loch in die sowjetische Verteidigungslinie. Flammenwerferstände mit elektrischen Zündern, Minenfelder, Drahtverhaue und Bunker sollten überwunden werden. Erfahrene Stoßtrupps unterlaufen das Abwehrfeuer der massierten Flak, Pak und Granatwerfer. Die Hölle rast. Sowjetische Tiefflieger greifen ein, eigene Jäger des VIII. Fliegerkorps „fegen durch die Wolkenfetzen des verqualmten Himmels“. Die Verbandsplätze füllen sich. SS-Gruppenführer Paul Hausser schwer verletzt. „Reihenweise liegen sie da: schwarzuniformierte Panzersoldaten, Grenadiere mit zerrissenen Feldblusen und die buntscheckigen Tarnfeldblusen der Waffen-SS, schwerverwundet, verbrannt, erschlagen, die Wut macht die Augen rot. Es gab keine Gnade mehr.“ Die Graben- und Bunkerlinie der Sibirier wird an einer Stelle aufgerissen. SS-Regiment „Deutschland“ und SS-Regiment „Der Führer“ stürmen jetzt, keine Zeit mehr zu schießen, Spaten und Kolben sind die Waffen. Sibirische Batterien werden von hinten genommen, die russischen Bedienungen hinter den Schutzständen von Flak, Pak und MG verteidigen sich erbittert und werden im Nahkampf niedergemacht. Wehrmacht und Waffen-SS stürmt die historische Schanze von Semenowkoje.
Die 32. sibirische Schützen-Division starb auf den Höhen von Borodino. Der große Riegel der 1. Moskauer Schutzstellung und der Autobahn nach Moskau ist gesprengt. 10. PD und SS-D „Reich“ rücken über verschneite Felder an die Moskwa vor. Der letzte Widerstand sowjetischer Kampfgruppen ist gebrochen. 19. Oktober 1941: Moschaisk fällt; der Weg nach Moskau ist frei …


eine politisch korrekte Schilderung aus deutscher Sicht hier:

„Unternehmen Taifun“ – Hitlers Blitzkrieg-Desaster

Anfang Oktober 1941 startete mit dem „Unternehmen Taifun“ der deutsche Angriff auf Moskau. Wenige Kilometer vor der Stadt begann die Katastrophe.

http://www.welt.de/kultur/history/article13626038/Unternehmen-Taifun-Hitlers-Blitzkrieg-Desaster.html

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Ein Kommentar zu “Vor 74 Jahren – Beginn der Schlacht um Moskau

  1. Carrells Wiedergabe des gnadenlosen Kampfes vor 74 Jahren ist ebenso realitätsnahe wie erschütternd – und würde heutzutage nirgendwo in den öffentlichen Medien, auch nicht in Auszügen, mehr wiedergegeben. Zu einem im Sommer erschienenen Artikel des WELT-Redakteurs Althaus über den Beginn des Rußlandfeldzuges hatte ich den nachfolgenden Kommentar (der natürlich gleichfalls umgehend vom WELT-Zensorenkomitee gelöscht wurde) eingestellt, den ich hier vor allem der Quellenwiedergaben der Links wegen gerne noch einmal vorstelle:
    „Die Sowjetunion plante schon seit Beginn ihres Bestehens die Eroberung Deutschlands, zunächst durch logistische Unterstützung des fehlgeschlagenen Spartakus-Aufstandes Anfang der 20er Jahre. Den erfolgreichen zweiten Anlauf unternahm Stalin durch das Abkommen vom 20.8.1939, mit dem er Deutschland in eine militärische Auseinandersetzung im Westen lockte. Im November 1940, als Deutschlands Lage nach einem verfehlten Friedenssschluß im Westen hoffnungslos zu werden begann, entsandte er Außenminister Molotow nach Berlin, der von Deutschland am 2. Besuchstag, 13.11.1940 ultimativ die Einverständnisforderung um Einrücken der Roten Armee einerseits nach Moldavien (und somit in unmittelbare Nähe der rumänischen Ölfelder, aus den Deutschland sein kriegswichtiges Öl bezog) und andererseits zur Einrichtung von sowjetischen Flottenstützpunkten an der finnischen Küste der Ostsee (dem letzten für Deutschland freien Handelsmeer) forderte. Molotov betonte hierbei auch, daß die SU diese Ziele notfalls auch ohne deutsche Zustimmung durchführen werde. Die Einzelheiten der sowjetischen Erpressung entnehmen Sie bitte dem damaligen Gesprächsprotokoll des Reichs-Auswärtigen Amtes:
    http://www.histdoc.net/history/de/NaSo1940-11-13.html

    Hitler lehnte diese Forderungen ab, da sie Deutschland auf Gedeih und Verderb der Su ausgeliefert hätten. In der Folge bereiteten BEIDE Staaten einen Krieg gegen jeweils den anderen „Partner“ vor, wobei die SU sich aufgrund der vs. deutschen Zweifrontenbindung, der langjährigen eigenen Aufrüstung und der eigenen personellen und materiellen Reserven von vornherein im Vorteil sah. Die neue Geschichtsforschung geht von einem SU-Angriff auf Deutschland spätestens im September 1941 (nach Einbringung der Ernten) aus. Um Ihrer nun sicherlich kommende Vorhaltung der angeblich revanchistischen These vom deutschen Präventivangriff zu begegnen, ergänzend ein Artikel mit der Veröffentlichung der sowjetischen Angriffsplanung vom Mai 1941, mit dem verräterischen Satz dort in Zf. 1, es sei möglich daß Deutschland den eigenen Planungen zuvorkomme:
    http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-13488409.html

    Bei Geschichte zählen Fakten, nicht politische Ansichten.“

    Ich hoffe, jedem interessierten Leser mit diesen Fakten zum Verständnis der damaligen Geschehnisse beigetragen zu haben.

    Beste Grüße
    Kaminski

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